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Bilder nächtlicher Träume - Tagtraumbilder
Träume können eine große Hilfe zur Bewältigung von Alltagsproblemen sein. Traumbilder können diese Wirkung noch verstärken und viel tiefere Einblicke zu einer Traumoffenbarung geben, als es ein Text alleine vermag. Hier folgen Traumbilder von mir. Einige wurden auf Ausstellungen gezeigt. Hinzugefügt sind die (z. T. gekürzten) Traumtexte und die Erläuterungen zu ihrem Verständnis.
Die Traumbilder
Traum vom 1.10.03: Einladung zum Herrscher des Punjab
Traumtext
Jemand ist hinter mir, rechts oder links, mit dem ich mich unterhalte und der mir sagt, ich sei "eingeladen vom Herrscher des Punjab" (so geschrieben beim Aufwachen). Ich weiß sofort, daß dieses Gebiet im Norden Indiens liegt. Vor mir sehe ich auf der "anderen Seite" einen hohen Gipfel mit einer goldenen Kuppel, die im hellen Sonnenlicht leuchtet. Ich blicke offenbar nach Norden, denn auf der Mitte der Kuppel reflektiert ein gleißend weißer Sonnenscheibenreflex. Die Kuppel krönt eine weißen Säule, die umgeben ist ziemlich schwarzen, zerklüfteten, mit zahlreichen Spitzen versehenen Felsengebirge (ähnlich versteinerten Flammen). Darunter erhebt sich aus "unendlicher Tiefe" ein dunkelgraues Bergmassiv mit mehr abgerundeten Felsen, darin verborgen offenbar der Palast des Herrschers. Dort hinüber führt (ähnlich einer Hängebrücke bei Festungen) ein ziemlich scharfkantiger, grauer Erdwall mit steil und glatt, in einen endlosen Abgrund abfallenden Seitenhängen.
Dort muss ich also hinüber. Nachdem ich mit meinem "Gefährten" noch ein paar Worte gewechselt habe, gehe ich auf diesen Kamm zu. Ich denke zwar: Hoffentlich fällst du nicht hinunter (bzw. wird dir nicht schwindlig). Aber dann setze ich mich zielstrebig auf den Kamm und beginne sofort, hinüber zu robben, wobei ich sofort ein sicheres Gefühl habe und die Einsicht: Du wirst nicht abstürzen! Meinen Gefährten lasse ich hinter mir. Ich weiß, der Zugang zum Herrscher des Punjab ist da vorne etwas links, wo ich auch eine dunklere Stelle zwischen den Felsen erkenne.
Zum Bild. Auf schmalem Traumpfad zur Einladung des Herrschers des Punjab, der in der goldenen Kuppel wohnt. Öl auf leinenbezogener Hartfaserplatte, 40x50 cm. Traum vom 1.10.2003. Dieter Kroener
Erläuterung
Die Brockhaus-Enzyklopädie schreibt zum Begriff "Pandschab":
"Der Punjab ist das älteste Kulturland Indiens (Induskultur um 3000 v. Chr. bzw. 2750-2000/1400 v. Chr, in Gudscharat bis 800 v. Chr.) und früheste indische Heimat der ersten arischen Siedler (2000 bis 1500 v. Chr.)".
Auf dem Weg meiner Selbsterkenntnis bin ich - symbolhaft - hinter den Zeitpunkt zurückgekommen, an dem die Weden, als Religion der Arier (Arya, Edle), in Sanskrit niedergeschrieben worden sind. Zum Weda bzw. zur Wedischen (Vedischen) Religion steht denn auch im Brockhaus:
"Die im Weda erscheinende Religion der Arier, die im 2. Jahrtsd. v. Chr. in Nordindien einwanderten". Es muss demnach schon vor den Ariern dort eine Kultur gegeben haben, nämlich die Induskultur. Brockhaus: "Die früheste städtische Zivilisation auf indischem Boden, den Sumerern unter dem Namen Dilmun bekannt. (...) Die Indusschrift ist eine Bilderschrift, (...) Jedes Symbol bedeutet ein ganzes, (auch mehrsilbiges) Wort; etwa 300 verschiedene Symbole sind bekannt, die in Zusammenhang mit verschiedenen Hilfszeichen und Zeichenkombinationen vielfache Deutungsmöglichkeiten ergeben. (...)"
Wenn ich mir meine Tag- und Nachttraumbilder ansehe, dann ist es ja genau das, was ich seit Jahren mache: Symbolbilder malen, "die in Zusammenhang mit verschiedenen Hilfszeichen und Zeichenkombinationen vielfache Deutungsmöglichkeiten ergeben". Letztlich male ich also Bilder in einer "Schrift", die man unterschiedlich deuten kann. Traumsymbolisch ist damit die Ebene der Archetypen gemeint, denn sie schwingen auf der Grundebene der Persönlichkeit.
Die goldene Kuppe symbolisiert den Gipfel meines Selbst. Es ist die "Endstation" des seelischen Reifungsvorgangs, empirisch-psychologisch eines "Individuationsprozesses". Der Gipfel überragt noch den Herrscher des Punjab. Er ist der ständigen Sonnenausstrahlung ausgesetzt, hat also höchste Erkenntnis und strahlt von diesem höchsten Punkt aus über die ganze Welt. Am Vortag hatte ich mich intensiv mit dieser Thematik beschäftigt und eine Visualisation dazu gemalt.
Der Kamm, über den ich hinüber muss, entspricht dem Ausspruch Christi in Mt. 7, 13-14:
"13 Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm. 14 Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn".
Traum vom 10.2.92: Die Vogelspinne im Krankenhauskeller
Traumtext
Im Keller der CSSC (Casa de Saude Santa Catarina, Name der Privatklinik meines Vaters in Rio bis 1960) bin ich mit einer Spinne zugange, die ich nicht los werde, obgleich ich es mit den Fingern beider Hände versuche.
 Die Spinne ist grau und hat viele kleine Löcher (Muster, mit denen ich - wohl erzieherisch - "gelöchert" worden bin). Sie bewegt sich nicht, sie ist aber unheimlich klebrig (wie die Fliegenstreifen, die ich aus meiner Kindheit kenne, oder wie Uhu, wenn es am Eintrocknen ist). Als ich sie schließlich los bin, sehe ich unter der Haut auf der Streckseite beider Daumen kleine, weiße Würmer! Ich reibe und kratze mit dem Nagel zunächst am rechten Daumen so lange, bis ich alle Maden und Würmer los bin. Dann sehe ich, daß ich sie links ja auch noch habe: Unter einer hauchdünnen Hautschicht liegen mehrere kleine, weiße Eier. Ich resigniere im Augenblick wohl und wache auf.
Zum Bild. Die klebrigen Fäden der Vogelspinne im Keller des Krankenhauses meiner Eltern. Öl auf Leinwand, Keilrahmen, Format 70x50 cm. Traum vom 10.2.1992. Dieter Kroener.
Erläuterung zum Verständnis
Der Traum zeigt sehr deutlich den Zusammenhang von extrem trägen elterlichen Mustern im Unbewussten: Im Keller, den es in Wirklichkeit in Rio in diesem Krankenhaus allerdings nicht gab. Der Traum will also etwas anderes sagen: In meinem Unbewussten (Symbol: Keller) lebt das "kranke Haus meiner Eltern". Auf Portugiesisch heißt es aber "Casa de Saúde", Gesundheitshaus. Im Traum kommt deshalb auch der polare Aspekt dieser klebrigen "Spinnerei" meiner Eltern und ihres Weltbildes zum Ausdruck (linke Seite), und daß sie in der Welt gelebt werden (rechte Seite). Das aktive Ausmerzen der Muster im weltlichen Verhalten reicht aber nicht aus. Die "hauchdünne Hautschicht" ist ein Symbol der Transzendenzschwelle: Diese Maden befinden sich auf der "anderen Seite", sie sind "verdeckt", also unbewusst. Man kann auch sagen: Wenn eine "Spinnerei" in der Welt gelebt wird, dann muß sie eine Entsprechung auf der linken Seite, im Unbewussten haben (Prinzip de Kompensation). Wenn das weltliche Muster einmal erkannt ist, bedarf es aber noch einer besonderen Anstrengung, um auch die unbewussten Strukturen zu verändern.
In den Tropen legen Fliegen ihre Eier sehr schnell in offene Wunden, wenn diese nicht gut verbunden sind. Die Maden fressen dann die Nekrosen (totes Gewebe") auf. Hier sind schon Maden in den seelischen Wunden, die ich ansehe. Weil sie klein sind, symbolisieren sie auch die feinstoffliche, also geistige Ebene.
Das Kratzen ist ein Symbol der Aggressivität. Der Daumen ist ein Symbol der Potenz: "Den Daumen draufhalten" (Redensart) bedeutet: Macht ausüben. Ich beseitige, was sich "hinter dem Rücken" des Daumens befindet. Ich habe mir also Muster bzw. seelische Wunden sichtbar gemacht, die sich im Unbewussten, "hinter meinem Rücken" aufhalten und meine geistig-seelische Potenz verfälschen.
Traum vom 29.3.07: Die Siphonschlange auf dem Wanderweg
Traumtext
Es ist ein neuer Tag, ein "anderer" Tag und es ist 7,00 Uhr in der Frühe. Mir fällt ein daß ich, um meinen Termin einzuhalten, noch ca. eine Stunde Zeit habe (So etwa hatte ich gestern auch gerechnet, um den Termin bei Dr. S. einzuhalten, der um 9,45 Uhr war). Ich werde aber laufen, wandern, um zum Termin zu kommen.
Auf dem Weg begegne ich einer hellgrauen Schlange, die ich hinter dem Kopf ergreife. Sie ist erstaunlich friedlich und hat eine Besonderheit: Etwa in Leibmitte entspringt eine Art Siphon, so dick und hellgrau wie die Schlange, der in einer großen, offenen, runden, ovalen Öffnung endet. Auf diese fällt mein Blick immer wieder, denn ich kann damit nichts anfangen. Eine Frau erscheint nun auch und schaut zu. Dann werfe ich die Schlange in hohem Bogen rechts über die Straße hinweg auf die andere Seite, wo sie inmitten Steinschollen landet, die den Boden bedecken. Sie verschwindet sofort darunter.
Zum Bild. Schlange mit Siphon auf dem Weg, fest im Griff (wie umgekehrtes Y). Öl auf Hartfaserplatte 40x80 cm. Traum vom 29.3.2007. D. Kroener
Erläuterung
Der Vortag war ein sehr harmonischer Tag gewesen. Ich war mit dem Bus in das Stadtzentrum von Mainz gefahren und hatte, dem jeweiligen Impuls folgend, mehrere Dinge erledigt. Nach Rückkehr in die Wohnung hatte ich hier ununterbrochen bis zum Abend weitergearbeitet. Es war ein Tag großer Harmonie mit und in mir selbst gewesen.
Der Begriff Siphon entstammt dem Griechischen. Sipho bedeutet "Atemröhre" und Siphon "Heber", "Geruchverschluß". Er hat den Zweck, zu verhindern, dass "üble Gerüche" aus dem Rohrsystem zurück in den Raum gelangen. Die Gelassenheit gibt offenbar der Stimmungslage keine Chance, die der Volksmund ausdrückt mit der Redensart, dass einem etwas "gründlich stinkt". Ich war nämlich in allen Situationen souverän geblieben, was dem Verhalten der Schlange entspricht. Verhaltensmuster, die in die Vergangenheit gehören, ist mir "nicht aufgestoßen". Es "sinkt" also nicht.
Der erste Impuls nach dem Aufwachen war, dass der Siphon aussieht wie die Lüftungsrohre auf Schiffen. Der Mannschaft tief im Schiffsbauch wird durch sie das Atmen, Atman ermöglicht. Atman aber ist in der indischen Mythologie eine Bezeichnung für "Gott".
Habe ich einst in der Natur eine Schlange gefangen, hat sie sich kräftig gewehrt und versucht, wieder freizukommen. Die Friedlichkeit der Traumschlange als Symbol des Unbewussten spricht deshalb für die Harmonie, die zwischen mir als einem "Ich" und meinem Unbewussten als Träger des Lebens - und Atmans - besteht. Wer diese Zusammenhänge reflektiert und die Aussagen des eigenen Unbewussten ernstnimmt, wird alsbald ein Gefühl dafür bekommen, wann er im normalen Alltag in Einklang mit dem wahren Selbst als Träger seelischer Identität lebt. Religiös ausgedrückt ist es das gleiche wie "in Einklang mit dem Himmelreich Gottes" in sich selbst leben. Er setzt dann gedankliche Impulse aus dem Unbewussten eins zu eins um. Anders ausgedrückt: Er folgt dem Gesetz seines Lebens, das im Unbewussten jedes Lebewesens strukturiert ist. Die Schlange werfe ich in diesem Traum anschließend in ihr Element zurück: Zur Erde.
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